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Kategorie: Volkshochschule / Rückblicke

Militärgeschichte zum Anfassen - VHS-Exkursion nach Frankreich


Wie ein gewaltiger Schlund ragt der Tunnel, in den der Eingang der unterirdischen Befestigungsanlage mündet, ins Innere des lothringischen Hackenbergs hinein. Drinnen sind es kühle 12 Grad, das Licht ist schummerig, die Luft riecht nach feuchter Erde und Kalk. Am Boden verlaufen Schienen, die sich weiter hinten im Fels verlieren und die verschiedenen Areale des gigantischen, tief in den Berg reichenden Stollensystems miteinander verbinden.

Die Maginot-Linie
Die Werkgruppe Hackenberg, die die VHS Voreifel am 23. September 2019 im Rahmen einer Exkursion zur Themenreihe „80 Jahre – Der Weltkrieg 1939 - 1945“  besichtigte, ist Teil der sogenannten Maginot-Linie, eine kilometerlange Befestigungsanlage, die die französische Regierung nach den verheerenden Verlusten des Ersten Weltkriegs ab dem Jahr 1930 entlang ihrer Ostgrenze erbauen ließ. Benannt nach dem damaligen Kriegsminister André Maginot sollte die Wehranlage, die sich vom Ärmelkanal bis hinunter in die Schweiz zieht, das Land vor deutschen Angriffen schützen. Ausgelegt für eine Besatzung von 1000 Soldaten und 43 Offizieren bildet die Werkgruppe Hackenberg die größte Anlage der Maginot-Linie und diente als Vorbild für den Bau weiterer Festungen. Sie verfügte über eine eigene Trinkwasser- und Stromversorgung und war dank eines Dieselkraftwerks im Kampf komplett autark.

Das Leben in der Anlage
Durch den kleinen Museumsshop rechts vom Eingang gelangt die deutsche Besuchergruppe um den Militärhistoriker Peter Baus ins Innere der Anlage. Erste Station der vom Verein Amifort, dem Freundeskreis des Fort Hackenberg, organisierten Besichtigung ist das Hauptmunitionslager. In dem 1944 von den Deutschen beim Verlassen der Anlage zerstörten und heute weitestgehend wiederhergestellten Bereich wurde der Sprengstoff aufbewahrt, der im Kampffall über ein 4 km langes Gleisnetz zu den Bunkeranlagen transportiert und dort von den Soldaten in die Sprengköpfe der Bomben eingesetzt werden konnte. Weiter hinten im Tunnelgang befindet sich die Kaserne, in der heute ein kleines Museum eingerichtet ist. In den Schlafstätten, der Großküche und dem Lazarett geben sogenannte Dioramen – mit Hilfe von Schaufensterpuppen in typischer Kleidung nachgestellte Alltagsszenen, einen Eindruck vom Leben in der Anlage. Plakate und Zeitungsartikel an den Wänden erinnern an die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs.

Der Hackenberg währen des Zweiten Weltkriegs
Als die Werkgruppe Hackenberg 1936 fertig gestellt wurde, ahnte niemand, dass sie bei der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht keine Rolle spielen sollte. Die deutschen Truppen griffen Frankreich 1940 unerwartet unter Umgehung der Maginot-Linie über die Ardennen an, indem sie die neutralen Staaten Niederlande, Luxemburg und Belgien überrannten. Das Fort Hackenberg wurde nach der Niederlage Frankreichs kampflos an die Deutschen übergeben, die es später als unterirdische Produktionsstätte verwenden sollten. Erst im Jahre 1944 kam es in einer der Bunkeranlagen zu Kampfhandlungen mit amerikanischen Soldaten, im Zuge derer die Deutschen die Anlage aufgeben mussten.

Schmalspurbahn und Baumwipfelpfad
An einem der kleinen „Bahnhöfe“ entlang des Schienennetzes steigt die Besuchergruppe der VHS Voreifel in die ratternde Schmalspurbahn, die sie vom Munitionslager und den Soldatenunterkünften weiter zu den Bunkeranlagen bringt. Hier demonstriert die Touristenführerin die Funktionsweise der versenkbaren Kanonen und der übrigen Geschütze, die mit ihrer Feuerkraft den gesamten Bereich bis zu den benachbarten Werkgruppen abdecken konnten. Beobachtungsstationen dienten zur Überwachung des Geländes. Vor den Bunkeranlagen verläuft ein Abwehrgraben, auf deren zentrale Bedeutung als Schutz vor dem Ansturm fremder Panzer Peter Baus hinweist.
Seit 1975 wird die Werkgruppe Hackenberg vom Verein Amifort betreut. Seitdem hat er wichtige Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und die Anlage für das Publikum zugänglich gemacht. Auf dem Rückweg nach Rheinbach macht die VHS-Gruppe noch einen Zwischenstopp an derSaarschleife in Cloeuf. Begeistert genießen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den fantastischen Ausblick auf den Fluss, einige Mutige auch von dem benachbarten Baumwipfelpfad aus.

Die Themenreihe „80 Jahre – Der Weltkrieg 1939 - 1945“ wird in den kommenden Semestern unter der Rubrik „Erinnern für die Zukunft“ fortgesetzt. Als ausgewiesener Experte wird Peter Baus auch alle weiteren Fahrten zu Stätten des 2. Weltkrieges in der Region leiten.


Das Programmheft 1. Semester 2020 zum download
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